Ausgabe oder Artikel

Liegt die Zukunft von Zeitschriften in einzelnen Artikeln oder in kompletten Ausgaben?

Seit über 10 Jahren gibt es jetzt schon digitale Schwestern existierender Publikationen. 2010 – das Jahr des ersten iPad haben dann viele Publisher als Erlösung gesehen der den erhofften Schwung in den Markt der digitalen Veröffentlichungen bringt. Jahre später ist die Branche ernüchtert. Zwar gab es einen zunehmenden Anstieg der Leser aber der erhoffte Durchbruch war es bisher nicht. Dabei dachten doch viele alles richtig gemacht zu haben. Man brachte die bisherigen Ausgaben oft eins zu eins aufs Tablet oder Smartphone. Man ergänzte Sie durch mehr oder wenig sinnvolle Effekte – wie die Simulation des Blätterns. Mann bot den Lesern Services wie das Weiterempfehlen oder Meidale Ergänzungen - aber nichts änderte sich im Leseverhalten.  Die Ernüchterung ist sogar so groß dass Apple seinen Zeitungskiosk wieder auflöste.

2015 tauchten dann neue Technologien und Vertriebsformen am Magazinhimmel auf. Mit Instant Artikels oder Apple News sollte der Markt einen neuen Push bekommen. Aber worauf zielen diese Artikel basierten Vertriebsformen und wem bieten sie wirklich einen Vorteil?

Der Grundgedanke ist einfach. Leser können sich in ihrer gewohnten Umgebung –z.B. Facebook, Instagram dem Webbrowser oder g+ sich mehr oder wenig kuratierte Artikel ihres Interessensgebietes ansehen. Sie können so individuelle thematisch selektierte Artikelstreams abonnieren.

Für Vertriebsplattformen wie Facebook ist der Vorteil eindeutig. Sie ergänzen ihr Angebot mit hochwertigen kostenfreien Inhalten und können darüber hinaus Personen und Themenbezogene Daten zu den Inhalten erfassen und verwerten.

Für die Produzenten der Inhalte sind die Vorteile nicht so offensichtlich. Sie geben hochwertige Inhalte aus der Hand. Sie erhoffen sich dadurch mehr Reichweite und neue Leser. Aber eingebunden in den Content-Fluß der jeweiligen Plattform werden einzelne  Artikel schnell übersehen und verschwinden oft nach einer kurzen Zeit im Content-Wasteland.

Und doch kann man - wenn genug Menschen den Artikel gesehen haben - auf diesem mühsamen Weg neue Leser gewinnen. Für die ist aber meist ein Rückschluss auf eine komplette Ausgabe mit ihrer Themen-Bandbreite und Content Inszenierung schlecht möglich. Der Absender des Artikels wird zudem reduziert auf diesen einen Artikel - auf dieses eine Fragment.  Da sich der Artikel vom Aufbau, visuell, technisch und auch kommunikativ in der Plattform einordnen muß fehlt oft das so wichtige Content und Markenspezifische visuelle Gesicht der eigenen Publikation.  Logo und Farben alleine genügen meist nicht um die eigene Marke in diesem Umfeld strahlend aufrecht zu erhalten.

Für den Leser ist es scheinbar einfacher. Er bekommt in gewohnter Umgebung viele zusätzliche Inhalte die Ihn interessieren könnten.  Für Ihn sind es aber gerade aufgrund der gewohnten Umgebung – eingebunden in einen Social-Media-Stream – keine erkennbaren Inhalte einer spezifischen Quelle, für Ihn sind es  zusätzliche Inhalte auf Facebook, g+, LinkedIn oder sonstigen Netzwerken meist mit nur geringer inhaltliche und visuelle Differenzierung – die Marke des Absender schwindet. Ein zweiter Effekt der sich zunehmend einstellt ist das was wir heute so gerne als “Blase” bezeichnen. Nutzer bewegen sich nur noch in ihrem Umfeld. Die Bandbreite und  Vielfältigkeit geht verloren. Neue Impulse bleiben oft aus. Für bestimmte Sender, wie einige politische Strömungen und Parteien oder für einige Unternehmen, die nur sich verkaufen wollen, mag das Vorteilhaft sein für alle anderen nicht.

Man kann hier vieles von der Musikindustrie lernen. Hier gibt es eine lange Tradition von Artikel Veröffentlichungen und Ausgaben: Das ist wie die Single Auskopplung und das Album. Mit Vertriebsformen wie iTunes oder Spotify wurde das System des Albums In Frage gestellt. Jetzt konnte man jeden einzelnen Song erstehen oder in seinen Spotify Stream einbinden. Die Intention und Vielfältigkeit  eines Albums geht für viele Zuhörer schlicht verloren. Auch wirtschaftlich wurde die Hoffnung vieler Musiker und Produktionsfirmen über diese neuen Vertriebsplattformen zusätzlich Einnahmen zu erschließen nicht erfüllt.

Ganzen Publikationen könnte, mit dieser zum Musikbusiness parallelen Entwicklung, ähnliches blühen.  Denn wenn Leser nur noch einzelne Artikel sehen wird sich jeder Herausgeber überlegen ob er aus wirtschaftlichen Erwägungen heraus Vielfalt oder “einfalt” publizieren soll. Eine inhaltlich Bandbreite und visuell und dramaturgisch Einheit würde sich dann in eine Ansammlung loser Artikel, die sich alle um ähnlichen Themen drehen, für den Leser verwandeln. Für den Empfänger entsteht unmerklich seine “Content-Blase” und die Absender verlieren mehr und mehr ihr publikatorisches und Markenspezifisches Gesicht. Am Ende können sie damit kein Geld mehr verdienen.

Gibt es hierfür eine Lösung? Ja und Nein. Denn sicher ist die Notwendigkeit auf diesen Plattformen auch mit einzelnen Artikeln präsent zu sein ohne das Magazin in seiner Bandbreite zu vernachlässigen - sonst geht die Marke und damit die wirtschaftliche Zukunft verloren.

 

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Bild:
unsplash.com

 

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